Name
Ahmad
Herkunft
Rakka, Syrien
Geflüchtet nach
Moria, Griechenland
Ahmad floh aus Syrien, um seine Familie in Sicherheit zu bringen. Die Entscheidung, sein Land zu verlassen, fiel ihm schwer. Aber er glaubt an eine gute Zukunft für seine Kinder.
Name
Ahmad
Herkunft
Rakka, Syrien
Geflüchtet nach
Moria, Griechenland
Ahmad floh aus Syrien, um seine Familie in Sicherheit zu bringen. Die Entscheidung, sein Land zu verlassen, fiel ihm schwer. Aber er glaubt an eine gute Zukunft für seine Kinder.

Heimat ist ein Gefühl, kein Ort

Irgendwann sah Ahmad keinen anderen Weg mehr. In Rakka, wo er mit seiner Familie lebte, war es zu gefährlich geworden. Ahmad beschloss zu fliehen, um seine Familie in Sicherheit zu bringen.

Ahmad ist Psychologe. Lange hatte er versucht, Menschen in Syrien dabei zu helfen, mit dem Leid des Krieges umzugehen. Doch auch er erlebte viel Leid. Irgendwann ging es nicht mehr. „Wir gaben auf“, sagt er. Der Druck war zu groß.

Zuerst flohen sie nach Aleppo. Als die Lage sich auch dort verschlechterte, ging es weiter in die Türkei. Von dort in einem Boot nach Griechenland. Es sei sehr schwer für ihn gewesen, Syrien zu verlassen, „von dort herausgerissen zu werden, wo man geboren und aufgewachsen ist“, sagt Ahmad.

Die Entscheidung zur Flucht traf er für seine Familie – seine Frau, seine Kinder und seine Mutter. Sie sind es zugleich, die ihm immer wieder Kraft geben.

Besonders sein dreijähriger Sohn Zain. Als Ahmads Frau mit ihm schwanger war, erlebten sie einen Angriff. Darum wurde Zain mit Missbildungen an den Händen geboren. „Zain ist mein ganzer Stolz“, sagt Ahmad. „Er gibt mir Antrieb und Motivation. Irgendwann schreckte es mich nicht mehr, ein Meer zu überqueren oder einen Berg. Weil ich davon träume, einen Ort zu finden, wo Zain behandelt werden kann.“

„Home is not a place, it is a feeling“– die Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl. Das sagt Ahmad sich manchmal. Im Flüchtlingslager Moria, wo er mit seiner Familie seit April 2018 lebt, hat er dieses Gefühl nicht. Aber wenn er Menschen hat, die ihm zuhören, geht es ihm besser. „Sie müssen dir nicht unbedingt etwas Materielles geben. Allein, dass sie an deiner Seite sind, hilft dir schon, dich besser zu fühlen.“

So lebt Ahmad in Griechenland

Ahmad lebt im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Rund 9.000 Menschen sind in dem Camp untergebracht, das ursprünglich für 3.000 Menschen ausgelegt war. Hinter dem hohen Zaun, der das Lager Moria umgibt, leben sie dicht an dicht. In Containern, Zelten oder unter Plastikplanen, die sie über ein paar Stangen gehängt haben.

Im Lager gibt es viel zu wenig Duschen und Toiletten, zu wenig medizinische Versorgung und auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist schlecht. Um eine Mahlzeit zu bekommen, müssen die Menschen oft stundenlang anstehen. Was dann an Essen verteilt wird, ist oft zu wenig und ungenießbar.

Viele Menschen, die ihn Europa Schutz suchen, haben in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Schreckliches erlebt. In Moria können sie sich von den Anstrengungen der Flucht oder ihren Traumata nicht erholen, im Gegenteil: Viele leben weiter in Angst, denn auch im Lager kommt es immer wieder zu Einschüchterungen, zu Vergewaltigungen und zu Gewaltausbrüchen. Gerade für Frauen und Kinder ist Moria darum kein sicherer Ort.

Hinzu kommt die Perspektivlosigkeit. Die allermeisten Menschen in Moria stellen einen Antrag auf Asyl. Sie wollen weiter auf das griechische Festland oder in andere europäische Länder. Doch die Asylprozesse dauern oft Monate oder gar Jahre und sind absolut nicht zu durchschauen. Diese Hoffnungslosigkeit ist für viele ohnehin schon traumatisierte Menschen psychisch extrem belastend. Viele Menschen in Moria leiden an Schlafstörungen, Angstzuständen, Depressionen, Suizidgedanken oder akuten psychotischen Episoden.
Das Flüchtlingslager in Moria ist überfüllt. Inzwischen siedeln viele Geflüchtete auch außerhalb des offiziellen Lagers. © MSF

Davor fliehen die Menschen nach Griechenland

Die Menschen, die in Moria untergebracht sind, kommen aus vielen verschiedenen Ländern in Afrika und Asien. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Sie fliehen vor Krieg, Verfolgung und Gewalt und suchen in Europa Schutz. Auch aus Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo oder Nigeria fliehen Menschen vor Kämpfen und Gewalt. Armut, Hunger oder Verfolgung können Menschen ebenfalls in die Flucht zwingen. In Ländern wie zum Beispiel Kamerun oder dem Iran werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und entschließen sich darum, ihr Land zu verlassen, um nach Europa zu fliehen.

Aktuell sind mehr als 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Europa spielt dabei aber nur eine kleine Rolle. Fast zwei Drittel der Menschen auf der Flucht sind Vertriebene im eigenen Land, und 85 Prozent der Geflüchteten weltweit lebten 2017 in armen Ländern. Weniger als ein Prozent aller Geflüchteten haben in der EU einen Asylantrag gestellt (Stand 2017).

Wie Ärzte ohne Grenzen in Moria hilft

Damit Geflüchtete auf der Insel Lesbos bessere medizinische Hilfe erhalten, eröffneten wir in der Hauptstadt Mytilini eine Klinik. Dort liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit inzwischen vor allem auf der Behandlung von Überlebenden von Folter und sexualisierter Gewalt. Betroffene erhalten bei Ärzte ohne Grenzen sowohl medizinische als auch psychosoziale Hilfe. Auch andere schwere psychische Probleme können unsere Teams vor Ort behandeln.

Direkt gegenüber dem Flüchtlingslager Moria hat Ärzte ohne Grenzen eine Klinik für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren eröffnet. Rund 80 Kinder behandelt das Team dort pro Tag wegen Atemwegsinfekten, Durchfall oder Hauterkrankungen wie zum Beispiel Krätze – also Krankheiten, die direkt auf die schlechten Lebensbedingungen in Moria zurückzuführen sind. Schwangere und junge Mütter erhalten hier zudem eine vor- und nachgeburtliche Versorgung.

Angesichts der großen medizinischen Bedürfnisse der Geflüchteten entschied sich Ärzte ohne Grenzen im Frühjahr 2018, auch im Flüchtlingslager selbst aktiv zu werden. Unsere Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Fachkräfte unterstützten die Betreiber des Lagers dabei, die Infrastruktur zu verbessern. Denn die extrem schlechten hygienischen Bedingungen im Camp führten bei vielen Geflüchteten zu Erkrankungen. Im Februar 2018 kooperierten wir außerdem mit dem griechischen Gesundheitsministerium für eine Impfkampagne gegen Masern.

Zeit für Geschichten

Diese Menschen mussten aus ihren Heimatländern fliehen. Unterwegs haben sie Schlimmes erlebt – aber auch viel Menschlichkeit und Hilfe erfahren. Sieh dir noch mehr Geschichten an.

Tamara

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Ahmad

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moro

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Mireille

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moses

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda