Name
Mireille
Herkunft
Ebolowa, Kamerun
Geflüchtet nach
Moria, Griechenland
Nach ihrer Flucht aus Kamerun nach Griechenland war Mireille verzweifelt. Über das, was sie erlebt hatte, sprach sie mit keinem. Bis Bridget kam – und wusste, was Mireille brauchte.
Name
Mireille
Herkunft
Ebolowa, Kamerun
Geflüchtet nach
Moria, Griechenland
Nach ihrer Flucht aus Kamerun nach Griechenland war Mireille verzweifelt. Über das, was sie erlebt hatte, sprach sie mit keinem. Bis Bridget kam – und wusste, was Mireille brauchte.

„Sie hat nicht nur mich gerettet, sondern eine Familie“

Mireille konnte nicht mehr schlafen. Sie fühlte sich verzweifelt und verloren. Alles, was sie in Kamerun erlebt hatte, ließ sie nicht los. Sie spürte, dass es so nicht weitergehen konnte. Aber hier, im Flüchtlingslager Moria, konnte sie mit niemandem über ihre Geschichte sprechen.

Mireille kommt aus Ebolowa im Süden Kameruns. Mireille liebt Frauen, aber ihre Familie akzeptiert das nicht. Darum zwang die Familie sie, einen Mann zu heiraten. Von diesem Mann hat Mireille zwei Töchter. Tatiana und Princesse.

Mireille hielt diese Zwangsehe nicht aus. Sie traf sich weiter mit Frauen. Als ihr Mann das herausfand, verstieß er sie. Sie zog zu ihrer Freundin. Doch auch deren Vater tolerierte die Beziehung der beiden Frauen nicht. Er drohte Mireille, sie umzubringen, und verfolgte sie, wo immer sie vor ihm Schutz suchte. Aus Angst vor diesem Mann verließ Mireille Kamerun.

Sie floh allein in die Türkei, von dort weiter nach Griechenland, auf die Insel Lesbos. Dort wurde sie im Flüchtlingslager Moria untergebracht. „Nach allem, was ich in Kamerun erlebt hatte, fühlte ich mich verzweifelt, als ich hier ankam.“, sagt Mireille. Sie zog sich vollkommen zurück und sprach mit niemandem. Auch nicht mit den anderen Frauen, mit denen sie einen Wohncontainer teilte.

Schließlich wurde Mireille in die Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Mytilini überwiesen, der Hauptstadt von Lesbos. Hier traf sie die Krankenschwester Bridget. „Mir fehlte etwas. Ich weiß nicht, woher sie das wusste.“, sagt Mireille. „Sie hat gesehen, dass es nicht nur Medikamente waren, die ich brauchte.“ Bridget begleitete Mireille zu einer Psychologin und half ihr, Menschen zu finden, die sie unterstützten und ihr wieder Kraft gaben. Zum Beispiel die Frauen aus dem Frauenzentrum Bashira, wo Mireille jetzt oft hingeht.

Inzwischen geht es Mireille wieder so gut, dass sie selbst anderen Frauen helfen kann, denen es schlecht geht. Und sie schafft es nun auch wieder, regelmäßig mit ihren Töchtern zu telefonieren, die bei ihrer Tante in Kamerun leben. Bridget habe nicht nur sie gerettet. „Sie hat nicht nur einen Menschen gerettet. Man kann sagen, sie hat eine Familie gerettet“, sagt Mireille.

So lebt Mireille in Griechenland

Mireille lebt im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Rund 9.000 Menschen sind in dem Camp untergebracht, das ursprünglich für 3.000 Menschen ausgelegt war. Hinter dem hohen Zaun, der das Lager Moria umgibt, leben sie dicht an dicht. In Containern, Zelten oder unter Plastikplanen, die sie über ein paar Stangen gehängt haben.

Im Lager gibt es viel zu wenig Duschen und Toiletten, zu wenig medizinische Versorgung und auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist schlecht. Um eine Mahlzeit zu bekommen, müssen die Menschen oft stundenlang anstehen. Was dann an Essen verteilt wird, ist oft zu wenig und ungenießbar.

Viele Menschen, die ihn Europa Schutz suchen, haben in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Schreckliches erlebt. In Moria können sie sich von den Anstrengungen der Flucht oder ihren Traumata nicht erholen, im Gegenteil: Viele leben weiter in Angst, denn auch im Lager kommt es immer wieder zu Einschüchterungen, zu Vergewaltigungen und zu Gewaltausbrüchen. Gerade für Frauen und Kinder ist Moria darum kein sicherer Ort.

Hinzu kommt die Perspektivlosigkeit. Die allermeisten Menschen in Moria stellen einen Antrag auf Asyl. Sie wollen weiter auf das griechische Festland oder in andere europäische Länder. Doch die Asylprozesse dauern oft Monate oder gar Jahre und sind absolut nicht zu durchschauen. Diese Hoffnungslosigkeit ist für viele ohnehin schon traumatisierte Menschen psychisch extrem belastend. Viele Menschen in Moria leiden an Schlafstörungen, Angstzuständen, Depressionen, Suizidgedanken oder akuten psychotischen Episoden.
Das Flüchtlingslager in Moria ist überfüllt. Inzwischen siedeln viele Geflüchtete auch außerhalb des offiziellen Lagers. © MSF

Davor fliehen die Menschen nach Griechenland

Die Menschen, die in Moria untergebracht sind, kommen aus vielen verschiedenen Ländern in Afrika und Asien. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Sie fliehen vor Krieg, Verfolgung und Gewalt und suchen in Europa Schutz. Auch aus Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo oder Nigeria fliehen Menschen vor Kämpfen und Gewalt. Armut, Hunger oder Verfolgung können Menschen ebenfalls in die Flucht zwingen. In Ländern wie zum Beispiel Kamerun oder dem Iran werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und entschließen sich darum, ihr Land zu verlassen, um nach Europa zu fliehen.

Aktuell sind mehr als 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Europa spielt dabei aber nur eine kleine Rolle. Fast zwei Drittel der Menschen auf der Flucht sind Vertriebene im eigenen Land, und 85 Prozent der Geflüchteten weltweit lebten 2017 in armen Ländern. Weniger als ein Prozent aller Geflüchteten haben in der EU einen Asylantrag gestellt (Stand 2017).

Wie Ärzte ohne Grenzen in Moria hilft

Damit Geflüchtete auf der Insel Lesbos bessere medizinische Hilfe erhalten, eröffneten wir in der Hauptstadt Mytilini eine Klinik. Dort liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit inzwischen vor allem auf der Behandlung von Überlebenden von Folter und sexualisierter Gewalt. Betroffene erhalten bei Ärzte ohne Grenzen sowohl medizinische als auch psychosoziale Hilfe. Auch andere schwere psychische Probleme können unsere Teams vor Ort behandeln.

Direkt gegenüber dem Flüchtlingslager Moria hat Ärzte ohne Grenzen eine Klinik für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren eröffnet. Rund 80 Kinder behandelt das Team dort pro Tag wegen Atemwegsinfekten, Durchfall oder Hauterkrankungen wie zum Beispiel Krätze – also Krankheiten, die direkt auf die schlechten Lebensbedingungen in Moria zurückzuführen sind. Schwangere und junge Mütter erhalten hier zudem eine vor- und nachgeburtliche Versorgung.

Angesichts der großen medizinischen Bedürfnisse der Geflüchteten entschied sich Ärzte ohne Grenzen im Frühjahr 2018, auch im Flüchtlingslager selbst aktiv zu werden. Unsere Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Fachkräfte unterstützten die Betreiber des Lagers dabei, die Infrastruktur zu verbessern. Denn die extrem schlechten hygienischen Bedingungen im Camp führten bei vielen Geflüchteten zu Erkrankungen. Im Februar 2018 kooperierten wir außerdem mit dem griechischen Gesundheitsministerium für eine Impfkampagne gegen Masern.

Zeit für Geschichten

Diese Menschen mussten aus ihren Heimatländern fliehen. Unterwegs haben sie Schlimmes erlebt – aber auch viel Menschlichkeit und Hilfe erfahren. Sieh dir noch mehr Geschichten an.

Tamara

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Ahmad

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moro

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Mireille

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moses

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda