Name
Atiku „Moro"
Herkunft
Morobo, Südsudan
Geflüchtet nach
Imvepi, Uganda
Moro floh gemeinsam mit Kollegen vor der Gewalt im Südsudan. Was er auf der Flucht erlebte, verfolgt ihn bis in seine Albträume.
Name
Atiku „Moro"
Herkunft
Morobo, Südsudan
Geflüchtet nach
Imvepi, Uganda
Moro floh gemeinsam mit Kollegen vor der Gewalt im Südsudan. Was er auf der Flucht erlebte, verfolgt ihn bis in seine Albträume.

„Wir haben niemanden alleingelassen"

Moro fror. Nachts im Wald war es kalt geworden. Er und seine Begleiter hatten keine Decken oder irgendetwas anderes, um sich zu wärmen. Sie waren auf der Flucht.

Moro kommt aus dem Bezirk Morobo im Südsudan. Eigentlich heißt er Atiku, doch alle nennen ihn Moro. Bis zum September 2016 arbeitete Moro für eine kleine Nichtregierungsorganisation. Doch dann kam der Bürgerkrieg in seine Heimatregion. Gemeinsam mit fünf Arbeitskollegen machte er sich auf den Weg. Er wollte der Gewalt entkommen. Und er wusste: Im Nachbarland Uganda bekommen Flüchtlinge Hilfe.

Er und seine Begleiter schlugen sich durch die Wälder. Passanten auf größeren Straßen waren oft Ziele für bewaffnete Gruppen. Immer wieder sah Moro unterwegs die Leichen getöteter Zivilisten. Auch er und seine Kollegen wurden beschossen. Einer seiner Begleiter wurde getötet. Die Erlebnisse verfolgen Moro bis heute.

Der Weg durch die Wälder, zunächst in die Demokratische Republik Kongo und dann weiter nach Uganda, war beschwerlich. Nicht nur die nächtliche Kälte machte Moro zu schaffen. Auch zu essen und zu trinken hatten er und seine Kollegen fast nichts. Immer wieder wurden sie krank. Fieber und Schwächeanfälle zwangen sie zu Pausen. „Wenn einer von uns nicht weiterkonnte, haben wir gemeinsam gewartet bis er sich erholt hatte“, sagt Moro. Sie wollten niemanden allein zurücklassen.

Die Gruppe floh in die Demokratische Republik Kongo, um von dort nach Uganda weiterzureisen. Als sie endlich die Grenze erreichten, ging es den vier verbliebenen Freunden nicht gut. Sie waren erschöpft. Schlafstörungen und Albträumen raubten ihnen im Flüchtlingslager auch die letzte Kraft. „Manchmal nachts, wachst du auf und schreist, als ob ein Toter neben Dir liegen würde“, sagt Moro. Er verlor seinen Appetit, konnte kaum noch essen.

Bei Ärzte ohne Grenzen erhielten er und seine Freunde schließlich Hilfe. Zunächst hatten sie Angst, fühlten sich mitschuldig an dem, was sie erlebt hatten. Doch in den psychosozialen Sitzungen konnten sie endlich über ihre schlimmen Erlebnisse auf der Flucht sprechen. Ein erster Schritt, das Geschehene langsam zu verarbeiten.

So lebt Moro in Uganda

Seit Oktober 2016 lebt Moro im Norden Ugandas. Inzwischen ist er dort im Flüchtlingslager Imvepi untergebracht. Es ist eines von vier Camps in der Region, in denen Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe leistet. Imvepi existiert seit Februar 2017. Dort wohnen vor allem Geflüchtete aus dem Südsudan.

In den Flüchtlingslagern Ugandas, wie auch in Imvepi, leben die meisten Menschen in Zelten oder behelfsmäßigen Unterkünften. Die Lager wurden jedoch ursprünglich nicht für so viele Menschen geplant, wie nun dort untergebracht sind. Das bedeutet, dass vor allem sanitäre Anlagen wie Latrinen oder Wasserstellen meist nicht ausreichen, und dass die Menschen auf wenig Raum eng zusammenleben.

Die Enge in den Lagern ist Ursache vieler lebensbedrohlicher Infektionskrankheiten: Cholera, Masern, Atemwegs- oder Hauterkrankungen übertragen sich dort leicht von einem Menschen zum nächsten.
Viele Geflüchtete aus dem Südsudan kommen in Uganda zunächst in Bidi Bidi unter, einem der größten Flüchtlingslager der Welt. © Frederic NOY/COSMOS

Davor fliehen die Menschen nach Uganda

Die meisten Menschen, die im Norden Ugandas in den Flüchtlingslagern Zuflucht suchen, stammen aus dem Südsudan. Sie fliehen oft zu Fuß über die südliche Grenze des Landes oder nehmen – aus Angst vor der Gewalt auf den Straßen im Süden des Landes – den Umweg über die Demokratische Republik Kongo.

Der Südsudan ist das jüngste Land der Erde – und wurde 2011 nach Jahren des Bürgerkrieges im Sudan mit viel Hoffnung auf Frieden gegründet. Dieser hielt jedoch nur zwei Jahre. Seit 2013 bekämpfen sich dort immer wieder bewaffneten Gruppen, die häufig auch Zivilisten angreifen. Geflüchtete berichten von ausgeplünderten und abgebrannten Dörfern, von Ermordungen, Vergewaltigungen und anderen Formen extremer Gewalt.

Uganda ist das größte Aufnahmeland für südsudanesische Flüchtlinge. Inzwischen leben dort mehr als 901.755 geflüchtete Südsudanesen. Darüber hinaus finden auch viele Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo in Uganda Schutz. Insgesamt leben in dem Land laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR beinahe 1,5 Millionen Flüchtlinge. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 beherbergte die gesamte Europäische Union 2,3 Millionen Flüchtlinge.

Wie Ärzte ohne Grenzen in Imvepi hilft

Imvepi ist eines von vier Flüchtlingslagern im ugandischen Distrikt Yumbe, in denen unsere Teams medizinische Hilfe anbieten. In Imvepi betreiben wir eine Klinik zur Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt. Ein mobiles Team pendelt zudem zwischen verschiedenen Camps, um an mehreren Orten psychosoziale Hilfe für oft schwer traumatisierte Patientinnen und Patienten anzubieten.

Außerdem unterstützen wir das Aufnahmezentrum des Lagers dabei, neu ankommende Geflüchtete gegen häufige Infektionskrankheiten zu impfen. Um weiteren Krankheiten vorzubeugen, errichteten unsere Teams rund 100 zusätzliche Latrinen und verteilten gechlortes Wasser. In Spitzenzeiten kann unser Logistikteam täglich bis zu zwei Millionen Liter Trinkwasser bereitstellen.

Ein von uns organisiertes, gemeindebasiertes Überwachungssystem für Gesundheit soll dafür sorgen, dass unsere Teams aufkommende Probleme wie sich schnell verbreitende Krankheiten rasch erkennen und reagieren können.

Zeit für Geschichten

Diese Menschen mussten aus ihren Heimatländern fliehen. Unterwegs haben sie Schlimmes erlebt – aber auch viel Menschlichkeit und Hilfe erfahren. Sieh dir noch mehr Geschichten an.

Tamara

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Ahmad

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moro

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Mireille

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moses

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda