Name
Moses
Herkunft
Morobo, Südsudan
Geflüchtet nach
Imvepi, Uganda
Moses musste aus dem Südsudan fliehen. Dabei wurde er von seinen Kindern getrennt. Als er sie in Uganda wiederfand, erfuhr er von der Fürsorge, die sie von einem völlig Fremden erhalten hatten.
Name
Moses
Herkunft
Morobo, Südsudan
Geflüchtet nach
Imvepi, Uganda
Moses musste aus dem Südsudan fliehen. Dabei wurde er von seinen Kindern getrennt. Als er sie in Uganda wiederfand, erfuhr er von der Fürsorge, die sie von einem völlig Fremden erhalten hatten.

Eine kleine Geste ist groß

Moses weiß nicht, wo seine Frau ist. Während seiner Flucht aus dem Südsudan wurde er von ihr und seinen vier Kindern getrennt. Bis heute hat der 46-Jährige von seiner Frau nichts gehört.

Moses Leben ist von der Bürgerkriegsgeschichte geprägt, die zur Entstehung des jüngsten Landes der Erde führte. Er beteiligte sich an den Kämpfen für die Unabhängigkeit vom Sudan. 2011 wurde tatsächlich ein neuer Staat gegründet – verbunden mit großer Hoffnung auf Frieden in der Region. Doch auch im neu gegründeten Südsudan brachen bereits zwei Jahre später wieder Kämpfe aus.

Moses entschied, das Land zu verlassen. Auf seiner Flucht benutzte er öffentliche Verkehrsmittel. Im Bus hörte er die Geschichten anderer Flüchtender, von Angriffen auf Familien, von Vergewaltigungen und anderer Gewalt. Aus Angst umging er offizielle Grenzpunkte, bis er im Lager in Imvepi war. Denn er wusste: Dorthin war seine älteste Tochter mit seinen übrigen Kindern geflohen.

Moses war in großer Sorge um seine Familie. Doch als er sie in Uganda wiederfand, war er erstaunt: Seine Kinder erzählten ihm, dass ein völlig Fremder sich um sie gekümmert hatte. Er hatte seine eigene Familie zu versorgen, und doch kümmerte er sich auch um die von Moses. Für Moses Kinder errichtete er eine Unterkunft. Als eines von ihnen krank wurde, brachte er es sogar in die Klinik von Ärzte ohne Grenzen. Dieser Mann ist für Moses ein Held. „Ich habe vorher noch nie erlebt, dass jemand so eine Verantwortung für andere Menschen in Not auf sich genommen hat“, sagt er.

In Uganda geht es Moses inzwischen besser. Für ihn ist es eine große Erleichterung, dass der Alltag nicht mehr ständig von drohender Gewalt und dem Krach der Gewehre durchbrochen wird. „Wenn man im Südsudan ein Gewehr hört, weiß man, dass jemand tot ist“, sagt Moses. „Hier in Uganda ist das anders.“ Moses ist sehr dankbar für die Hilfe, die er von diesem Fremden im Flüchtlingslager in Imvepi erhalten hat. „Menschlichkeit muss gar nichts Großes sein“, sagt er. „Wenn man nur wenig hat, dann reicht auch eine kleine Geste. Schon Kleinigkeiten wie ein Lächeln oder ein Gespräch bedeuten Menschlichkeit.“

So lebt Moses in Uganda

Seit April 2017 lebt Moses im Norden Ugandas. Inzwischen ist er dort im Flüchtlingslager Imvepi untergebracht. Es ist eines von vier Camps in der Region, in denen Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe leistet. Imvepi existiert seit Februar 2017. Dort wohnen vor allem Geflüchtete aus dem Südsudan.

In den Flüchtlingslagern Ugandas, wie auch in Imvepi, leben die meisten Menschen in Zelten oder behelfsmäßigen Unterkünften. Die Lager wurden jedoch ursprünglich nicht für so viele Menschen geplant, wie nun dort untergebracht sind. Das bedeutet, dass vor allem sanitäre Anlagen wie Latrinen oder Wasserstellen meist nicht ausreichen und dass die Menschen auf wenig Raum eng zusammenleben.

Die Enge in den Lagern ist Ursache vieler lebensbedrohlicher Infektionskrankheiten: Cholera, Masern, Atemwegs- oder Hauterkrankungen übertragen sich dort leicht von einem Menschen zum nächsten.
Viele Geflüchtete aus dem Südsudan kommen in Uganda zunächst in Bidi Bidi unter, einem der größten Flüchtlingslager der Welt. © Frederic NOY/COSMOS

Davor fliehen die Menschen nach Uganda

Die meisten Menschen, die im Norden Ugandas in den Flüchtlingslagern Zuflucht suchen, stammen aus dem Südsudan. Sie fliehen oft zu Fuß über die südliche Grenze des Landes oder nehmen – aus Angst vor der Gewalt auf den Straßen im Süden des Landes – den Umweg über die Demokratische Republik Kongo.

Seit 2013 bekämpfen sich im Südsudan immer wieder bewaffnete Gruppen, die häufig auch Zivilisten angreifen. Geflüchtete berichten von geplünderten und abgebrannten Dörfern, von Ermordungen, Vergewaltigungen und anderen Formen extremer Gewalt.

Uganda ist das größte Aufnahmeland für südsudanesische Flüchtlinge. Inzwischen leben dort mehr als 901.000 geflüchtete Südsudanesen. Darüber hinaus finden auch viele Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo in Uganda Schutz. Insgesamt leben in dem Land laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR beinahe 1,5 Millionen Flüchtlinge. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 beherbergte die gesamte Europäische Union 2,3 Millionen Flüchtlinge.

Wie Ärzte ohne Grenzen in Imvepi hilft

Imvepi ist eines von vier Flüchtlingslagern im ugandischen Distrikt Yumbe, in denen unsere Teams medizinische Hilfe anbieten. In Imvepi betreiben wir eine Klinik zur Behandlung von Überlebenden sexualisierter Gewalt. Ein mobiles Team pendelt zudem zwischen verschiedenen Camps, um an mehreren Orten psychosoziale Hilfe für oft schwer traumatisierte Patientinnen und Patienten anzubieten.

Außerdem unterstützen wir das Aufnahmezentrum des Lagers dabei, neu ankommende Geflüchtete gegen häufige Infektionskrankheiten zu impfen. Um weiteren Krankheiten vorzubeugen, errichteten unsere Teams rund 100 zusätzliche Latrinen und verteilten gechlortes Wasser. In Spitzenzeiten kann unser Logistikteam täglich bis zu zwei Millionen Liter Trinkwasser bereitstellen.

Ein von uns organisiertes, gemeindebasiertes Überwachungssystem für Gesundheit soll dafür sorgen, dass unsere Teams aufkommende Probleme wie sich schnell verbreitende Krankheiten rasch erkennen und reagieren können.

Zeit für Geschichten

Diese Menschen mussten aus ihren Heimatländern fliehen. Unterwegs haben sie Schlimmes erlebt – aber auch viel Menschlichkeit und Hilfe erfahren. Sieh dir noch mehr Geschichten an.

Tamara

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Ahmad

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moro

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda

Mireille

Geflüchtet nach Moria, Griechenland

Moses

Geflüchtet nach Imvepi, Uganda